Nachdenken – nicht nur vor den Wahlen!

Als Anregung zum Nachdenken könnte der Auszug aus einem Brecht Gedicht dienen:

Verurteilung antiker Ideale

O Stumpfsinn der Größe vergangener Zeiten

O steinerne Standbilder der Geduld

Klagloses Ertragen vermeidbarer Leiden

Glaube an unvermeidbare Schuld.

 

Was musstet ihr, die euch das Schicksal bereiten

Götter nennen? Zu was war das gut?

O Gelassenheit, idiotisches Schweigen

Zu dem, was euch getan wird, und zu dem, was ihr tut.

 

Du, der du den Schlag empfingst und nicht schrieest

Du, der du von allen Tischen weggingst

Du, der du verstandest und der du verziehest

Du, der du im Feuer stehst und noch singst

 

Du, der du um dein Leben betrogen bist

Und der du nicht kämpfst, bilde dir nichts ein:

Das Todesurteil, das an dir schon vollzogen ist

Soll auch von uns unterschreiben sein.

 

Quelle: Bertolt Brecht, Gedichte 1941-1947, S. 873-874, Gesammelte Werke 10, Gedichte 3, werkausgab edition suhrkamp, 1968

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