Tipp 2/9/19

Leseempfehlung zu

Christoph Hein, Wolfgang Bittner, Georg M. Oswald, Bodo Kirchhoff, Philip Möller, Timur Vermes, Yann Martel

 

Christoph Hein: Weiskerns Nachlaß und Willenbrock

Die Romane lassen sich gut lesen, sind aber nichts Besonderes. Die Bücher schildern das Alltagsleben eines halbtags Dozenten (Weiskern) und eines Gebrauchtwagenhändlers (Willenbrock).

Landnahme:

Darin schildert Hein Flüchtlingskinder nach 1945. Trotz ernster Thematik hat mich das Buch gelangweilt.

In seiner frühen Kindheit ein Garten:

Die Eltern des in Bad Kleinen getöteten RAF-Mitglieds kämpfen mit den Behörden. Das Thema ist eigentlich interessant, aber ich empfand es als sehr langweilig geschrieben.

Wolfgang Bittner, Marmelsteins Verwandlung:

Ähnlich wie bei Hein verhält es sich mit diesem Buch. Ein Cheflektor eines großen Verlages unterschlägt unbemerkt 2,4 Millionen Euro und setzt sich damit nach Nordkannada ab. Vor allen Dingen die Erlebnisse dort, schildert der Roman. Er ist intelligent geschrieben, gut lesbar, aber auch ein bisschen langweilig.

Georg M. Oswald, Alles was zählt:

Der Autor beschreibt die Welt der oberen Zehntausend zwar kritisch, aber ohne Konsequenzen. Alle sind korrupt, sexistisch, ob Mann oder Frau. Natürlich darf Haschisch bei den niederen oder jüngeren Chargen nicht fehlen. Die ständig wiederkehrenden Beschreibungen von Personen der sogenannten gehobenen Gesellschaft sind langweilig.

Bodo Kirchhoff, Die kleine Garbo:

Ein 68-jähriger Bankräuber flieht mit einem spontan gestohlenen Auto, in dem sich ein zwölfeinhalbjähriges Mädchen, das bereits ein Fernsehkinderstar ist,  versteckt. Trotz der sicher vom Autor bewußt gewählten haarsträubenden Zufälle und der ungewöhnlichen Schreibart (keinerlei direkte Rede, aber die andere Art ist auch – indirekt – gut gemacht) habe ich das Buch mit Spaß gelesen.

Wo das Meer beginnt:

Die Lehrerkommission einer Schule verhandelt darüber, ob ein  18-jähriger eine 17-jährige vergewaltigt hat oder nicht. Ein 62 Jahre alter Lehrer spricht darüber mit dem Schüler, den er liebt, aber der auch eine Lehrerin liebt! Trotz dieser haarsträubenden Situation zu langatmig geschrieben, inhaltlich für mich teilweise unverständlich und mache Szenen fand ich auch einfach empörend.

Parlando:

Die Dreiecksbeziehung, Sohn ist der Geliebte der 2. Frau des Vaters, interessiert mich nicht besonders. Ungünstig hinzu kommt noch die Schreibweise, die mich hetzt, so dass ich noch weniger verstehe. Aber am schlimmsten war letztendlich doch die Schreibweise, denn dabei vergeht mir die Freude am Lesen.

Philipp Möller, Isch geh Schulhof:

Der Autor berichtet sehr lebensnah und zeitweise urkomisch über seinen Alltag als Aushilfslehrer an einer Grundschule. Lobenswert ist, dass Möller im Gegensatz zu Kai Twilfer nicht nur komisch sein wollte, sondern sich auch der Fülle ernster Probleme zuwendet.

Allerdings mehr als ein Buch von der Sorte zu lesen, muss nicht sein.

Timur Vermes, Er ist wieder da:

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. Die Thematik ist interessant, weil durch die ständig wachsende Macht der Massenmedien, die sich in immer weniger Händen konzentriert, jegliche Manipulation einer großen Anzahl der Bevölkerung, möglich erscheint. Also auch die demokratische (?!)Wahl eines neuen Führers? Vermes hat diese Problematik zwar nicht auf den Punkt gebracht, aber doch sehr humorvoll die Verantwortlichen der gegenwärtigen Politik karikiert. Als Hörbuch noch besser, weil Christoph Maria Herbst als Vorleser die Schizophrenie  auf den Punkt bringt und außerdem macht es einfach Spaß ihm zuzuhören.

Yann Martel, Schiffbruch mit Tiger:

Der halbwüchsige Sohn eines indischen Zoobesitzers hatte sich auf Grund der äußeren Umstände während seiner Kindheit zum praktizierenden Hindu, Christ und Muslim entwickelt. Er erleidet mit seiner Familie Schiffbruch und landet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker in einem Rettungsboot. Bald hat der Tiger alle erledigt – alle, außer dem Jungen. Alleine treiben sie auf dem Ozean. Alles total ungewöhnlich, unwahrscheinlich und doch auch irgendwie glaubhaft geschrieben, so dass das Lesen des Romans großes Vergnügen bereitet

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