Tag-Archiv | Chemie

– 6 – Ede Ceh Fortsetzung

Biologische Kläranlage

Erklärung:

Hauptbestandteile sind:

  1. Vorklärbecken
  2. Belebungsbecken

Die eigentliche biologische Kläranlage besteht dann nachfolgend aus:

3. Nachklärungsbecken

4. Flockungsbecken

5. Nachklärbecken

Kläranlage, z. B.

6. Ablassbecken

Story

„He, wer seit denn ihr drei?“, rief Oberwächter Mik Robe der 1., der zusammen mit Wächter Mik Robe dem 2. und Unterwächter Mik Robe dem 3. zur Wassertorkontrolle am nagelneuen Biobecken eingeteilt worden war. Gleichzeitig richteten alle drei ihre Lanzen auf die in einem dunklen Wasserstrom schwimmenden, ihnen völlig unbekannten Neuankömmlinge. Sie mussten diese Fremdlinge aufhalten, während sie zur gleichen Zeit die vielen anderen Typen durchließen, die ihnen offensichtlich bekannt waren.

„Huch, passt doch auf mit euren Spießen“, sagte der größte, der von den Wächtern Angesprochenen, „ich bin Ede Ceh und die zwee Kleenen hier, die nicht stillhalten können, sind meine Nachkommen Vau Ceh und Ha Ce-el. Und wer seid …“

„Die Fragen hier stellen wir,“ unterbrach Wächter Mik Robe der Zweite, „woher kommt ihr? Und was wollt ihr hier?

Ede Ceh schüttelte vor solcher Unhöflichkeit den Kopf, verzichtete auf eine Antwort, denn im Moment hatte er auch genug damit zu tun seine Verwandten Vau und Ha festzuhalten, damit sie nicht ausreißen konnten. Den aufmüpfigen Vau musste er immer wieder auf den Boden zurückziehen, weil der Vergnügungssüchtige ständig nach oben wegzufliegen gedachte, da er glaubte, dass dort eine große Party lief. Der aggressive Ha hingegen wollte sich auf die Wächter stürzen und diese niedermachen.

Ede fluchte, „immer dieser Ärger mit den Kindern.“

Es wunderte ihn, dass nun ausgerechnet einer von den eigentümlichen grünen Kontrolleuren sagte, „warum gibst du deinem Nachkommen eigentlich nicht die Freiheit? Da oben“ und der Wächter zeigte in Richtung Wasseroberfläche, „befinden sich ohnehin die leichteren Galgenvögel verschiedenster Art.“

„Wenn du meinst. – Aber seht euch vor. Ha Ce-el ist aggressiv, vielleicht halte ich den doch lieber fest.“

Ede Ceh ließ Vau los, sodass dieser wie eine Rakete nach oben abdüste. „Was wird mit Ha und mir? Da kommen noch mehr von unserer Sorte, alles die gleichen Mol Ekühle.“

„Keine Ahnung“, Unterwächter Mik Robe der Dritte kratzte sich am grünen Kopf, „da haben uns die da oben wieder einmal nicht informiert und wir können nun sehen, wie wir zurechtkommen.“

Weil der Stau aber immer größer wurde, ließ Ede auch Ha los, worauf dieser sich sofort auf die Torwächter stürzte und diese im Handumdrehen niedermachte. Nun konnten alle Ede Cehs, Vau Cehs und Ha Ce-els in das belebte, ja geradezu brodelnde Becken strömen, in dem sich Tausende der grünen Mik Roben wie verrückt auf und ab bewegten. Die Ha Ce-els tobten ihre Aggressivität aus an diesen ihnen gegenüber wehrlosen Wesen und ätzten einen nach dem anderen zu Tode.

‚Mir egal’, dachte Ede, der sich nun nur noch um sich allein kümmern musste. Mit Interesse beobachtete er, wie von irgendwoher auch noch diese durchsichtigen, blauen Oxygene (O) kamen, die immer als Doppelpack auftraten. Zusammen mit den übriggebliebenen Mik Roben vollführten sie einen tollen Tanz, stürzten sich dabei auf die anderen, ihnen aber offensichtlich bekannten Eindringlinge, um sie zu verspeisen und kurz darauf als Ceh-zwei Oxygen (CO2), Hazwei Oxygen (W) und S. Alz (Salz) wieder auszuscheiden. Schnell merkten Ede Ceh und seine Kollegen, dass die Mik Roben ihnen kaum etwas anhaben konnten, denn wenn die mal aus Versehen einen der Cehs verschluckten, dann wurden die grünen Männchen noch grüner und kurz darauf kotzten sie alles wieder aus. Außerdem hatten die Ha Ce-els schon so gewütet, dass kaum noch welche von ihnen vorhanden waren. Ede schob alles, was ihm in den Weg kam einfach beiseite oder, wenn einer versuchte sich an ihm festzuklammern, zog er diesen mit sich in das nächste, wesentlich ruhigere Becken. Manche Ede Cehs setzten sich hier allein oder mit mehreren von den an sie geklammerten Mik Roben am Boden im Schlamm ab, aber die meisten strömten ungehindert weiter in das nächste Becken, wo es wieder lebendiger zuging.

„Vorsicht“, schrie eins der Mol Ekühle, doch es war schon zu spät. Ede bekam einen Schlag vor den Ballon, dass er glaubte Sterne zu sehen, doch das waren nur die kleinen Fällmittel Teilchen, die von oben in das Becken rieselten.

„Was war denn das? Wo kommen denn hier die Balken her?“ brüllte er aufgebracht, als er auch schon wieder einen dunklen Schatten auf sich zukommen sah. Doch dieses Mal war er schneller und duckte sich weg, sodass der Balken über ihn hinweg schwebte.

„Ede, hier musst du wieder raus“, sagte er laut und sah sich nach dem Ausgang um. Er drängelte sich an den plötzlich vorhandenen Flocken vorbei und gelangte in das nächste, nun wieder völlig ruhige Becken. Je tiefer er hier eindrang umso sauberer und damit heller wurde das Wasser. Ede Ceh legte sich auf den Rücken, sah in die Sterne, denn inzwischen war es Nacht geworden und träumte von Kata F aus der Familie der Katalysatoren ohne den Ede gar nicht auf dieser Welt wäre. Leider war es ihm nicht bestimmt gewesen sich in seine Nachkommen Vau Ceh und Ha Ce-el zu verwandeln. Doch er bedauerte sein Schicksal nicht, hatte es ihn doch ziemlich weit gebracht. So in Gedanken versunken merkte er gar nicht, dass er bereits in die Saale gelangt war.

 

– 5 – Ede Ceh Fortsetzung

Rückstandsverbrennung

Erklärungen:

zu Rückstandsverbrennung, Absorption und Desorption. Die flüssigen und gasförmigen Rückstände, die in der C-V-Anlage anfallen, müssen in einer Brennkammer drucklos bei 1250 °C verbrannt werden. Dabei entstehen Kohlendioxid (CO2), Chlorkohlenstoff  (HCl) und Wasser.

Die Reaktionsgleichungen für zum Beispiel Trian und EDC lauten:

Trian

C2H3Cl3 + 2 O2 à 3 HCl + 2 CO2

EDC

C2H4Cl2  + 2 ½ O2  à 2 HCl + 2 CO2 + H2O

Der Feuerraum besteht aus einem liegenden circa fünfzig Kubikmeter fassenden Stahlbehälter, der mit feuerfesten Steinen ausgemauert ist. Im Unterschied zur alten Verbrennung ist bei der neuen direkt an die Brennkammer ein Röhrenbündelwärmetaucher angeschlossen, mit dem aus der Energie der heißen Rauchgase Mitteldruckdampf produziert wird. Die danach nur noch 250 °C heißen Gase werden mit 20 %-iger Salzsäure, die aus dem Sumpf der Absorptionskolonne stammt, besprüht und in Korobonwärmetauschern weiter abgekühlt. Das HCl aus dem Gas wird weitestgehend absorbiert und während die 25-30 %-ige Salzsäure in einen Behälter abläuft, strömt das Rauchgas weiter in den Absorptionsturm. In der mit Glockenböden ausgerüsteten Kolonne wird der Abgasstrom vom restlichen HCl befreit, anschließend im Waschturm gewaschen, neutralisiert und über einen Elektrofilter durch den Kamin ins Freie geleitet.

Die Desorption ist nur eine, vergleichsweise, kleine Nebenanlage. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie es gestattet, aus der in der Rückstandsverbrennung anfallenden 25-30 %-igen Salzsäure das HCl zu desorbieren, also das Wasser wieder abzutrennen, sodass das trockene Gas in der Oxichlorierung wieder verwertet werden kann. Das Problem dieser Verfahrensstufe sind die Aggressivität des mehr oder weniger feuchten HCl und die extremen Arbeitsbedingungen von 165 °C und einem Überdruck von 5 bar.

Story:

Das Gefühl hatte Ede Ceh nicht getrogen, denn der Aufenthalt in dem feinen Behälter mit den emaillierten Wänden dauerte tatsächlich nicht lange. Langsam, aber sicher kam er dem Ausgang näher und plötzlich ging alles ganz schnell. Ede wurde zusammen mit den Großkopferten in eine Rohrleitung geschoben, durch einige enge Stellen hindurchgepresst und dann – Fatsch! – die Hitze riss ihn auseinander, im Bruchteil einer Sekunde verwandelte sich Ede in Ha Ce-el, Ceh Zwei Oxygen und Hazwei Oxygen. Ede schaffte es gerade noch seinen Kopf in ein Ha Ce-el zu retten, sodass er auch den weiteren Weg bewusst wahrnehmen konnte. Der folgende Höllenritt dauerte nur ein paar Sekunden bei 1250 °C. Der Ede im Ha Ce-el traf keinen einzigen der Ganoven wieder, obwohl einige davon, so wie er, in anderen Ha Ce-els, zumindest ihren Geist überliefert haben konnten. Trotzdem mussten auch die wieder von vorne anfangen, wenn es denn einen neuen Anfang geben würde. Er war noch nicht mit seinen Gedanken fertig, da traf ihn völlig überraschend der Kälteschock verursacht durch versprühte, in Wasser – igitt – aufgelöste Ha Ce-els. Der Ha-Ede wehrte sich mit aller Kraft und es gelang ihm auch aus dem Tohuwabohu der Quenche wieder herauszukommen, doch in dem folgenden Absorber musste er sich dann doch von Hazwei Oxygen einfangen lassen und landete in einem Behälter mit vielen anderen Ha Ce-els. Die vierfache Menge von Hazwei Oxygen machte es Ha-Ede unmöglich zu entfliehen. „Hoffentlich ist das hier kein Dauerzustand“, brabbelte er vor sich hin und spürte im selben Augenblick, dass ihn ein Sog erfasste. Der zog ihn in eine Rohrleitung und wieder einmal beschleunigt durch das Laufrad einer Pumpe wurde Ha-Ede durch ein sehr schmales Loch gepresst. Er nutzte den Schwung der Entspannung verbunden mit der von oben ihm entgegenkommenden Hitze und machte sich wieder gasförmig davon. Allerdings wurde er an der gleichen Stelle wieder eingefangen und im Handumdrehen landete er wieder in demselben Behälter. Nachdem er die Prozedur zehnmal mitgemacht hatte, schickte der Zufall ihn in eine andere Richtung mit – natürlich – wieder einmal einem Aufenthalt in einem Tank. Aber Ha-Ede hatte inzwischen ja Erfahrungen gesammelt und wusste genau, dass es auch hier irgendwo einen Ausgang geben würde. Also machte er sich sofort auf die Suche danach. Er nutzte die vorhandene Strömung, obwohl die nur sehr klein war, doch sie genügte, um ihn vorwärts zu bringen. Plötzlich glaubte Ha-Ede, wieder Pumpengeräusche zu hören. Er setzte alle Kraft daran um in diese Richtung weiterzukommen. Das war hier besonders schwer, weil diese dummen Hazwei Oxygene ihn so einschlossen, dass er sie alle mitschleppen musste. Doch mit übercehlicher Anstrengung erreichte er den Ausgang, wobei ihm auf dem letzten Stück der Pumpensog behilflich war. ‚Ob sich diese Anstrengung lohnt?’, fragte sich Ha-Ede, doch die Pumpenhektik verhinderte, dass er weiter nachgrübeln konnte. Im Handumdrehen landete er auf dem Boden einer voller Energie steckenden Kolonne, nachdem ihm schon vorher in einem Wärmetauscher warm uns Herz geworden war. Trotz der 165 °C und dem Überdruck von fünf bar oder vielleicht auch gerade deshalb, spürte er, dass es von hier aus vorwärtsgehen würde. ‚Nach einer Endstation sieht es hier jedenfalls nicht aus’, dachte er vergnügt, entspannte sich, doch das war leider zu früh. Ha-Ede sackte vom 8. Boden einen nach dem anderen abwärts bis zum Sumpf. Hier stellte er wieder mit Erschütterung fest, dass die Anzahl der Hazwei Oxygene sich vermehrt hatte und er wusste, dass er wieder einmal in die falsche Richtung gewandert war. Er bäumte sich zu spät auf und wurde aus der Kolonne ausgetragen in einen anderen Behälter hinein, in dem die Konzentration seiner Spezies nur noch 18 % betrug. Das hatte bestimmt nichts Gutes zu bedeuten und Ha-Ede hatte wieder Grund zu schimpfen.

„Verdammt, was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?“ Zu seiner Beruhigung spürte er, dass in diesem Behälter, obwohl er genauso groß war, wie der vorhergehende, die Strömung größer war.

„Gott sei Dank“, brabbelte er weiter vor sich hin, „dann wird die Wartezeit nicht so lang. Hoffentlich komme ich wieder in die heiße Kolonne zurück.“ Doch daraus wurde vorerst nichts, obwohl ihn schon bald eine Pumpe erfasste. Er landete zwar auf dem 10. Boden einer Kolonne, aber die war viel kälter, nur 60 °C, es herrschte kaum Druck. Zum Glück musste er hier nicht selbst über die Richtung entscheiden. Es ging einfach nach unten, rein in den Sumpf und von hier mit dem Schwung einer anderen Pumpe auf den heißen Kopf eines Röhrenwärmetauscher, der Ha-Ede bekannt vorkam, obwohl – nein – oder doch? – Na klar, das hier war wieder diese Abschreckung, die Quenche. Außerdem merkte er bald, dass das Verhältnis Hazwei Oxygen zu Ha Ce-el sich wieder zu seinen Gunsten verbessert hatte. Das stimmte ihn optimistischer, aber er blieb natürlich weiter aufmerksam. Trotzdem landete er vorerst wieder in dem Tank mit 25 % von seiner Sorte. Dieses Mal dauerte es zwei Stunden bis es weiterging. Als er dann in der heißen Kolonne ankam, nutzte er alle Energie, raste nach oben, war schon nach zwei Böden am Kopf angekommen und empfand die Abkühlung im ersten Wärmetauscher als ausgesprochen angenehm, vor allen Dingen, weil er sah, wie sich gleich massenweise die Hazwei Oxygene verabschiedeten. Die nächste Abkühlung war auch für Ha-Ede ein Schock, von dem er sich aber sehr schnell erholte, denn er sah überhaupt keinen der wässrigen Bewacher mehr. Mit dünner, zittriger Stimme rief Ha-Ede: „F-frei, end-endlich f-frei. E-es le-leb-e d-die Frei-frei-hei-heit!“ Er rollte und kullerte durch die Rohrleitung, traf plötzlich mit anderen Ha Ce-els zusammen und spätesten bei der ersten Aufheizung wusste er, dass er in der Oxichlorierung landen würde.

Ha-Ede hatte den Höllenritt überstanden. Der Kreis war geschlossen und ein neues Leben konnte beginnen.

 

-1- Ede Ceh

oder

Die Entstehung von EDC (Ethylendichloride, Dichlorethan, C) und seine Weiterverarbeitung zu VC (Vinylchlorid, V) und PVC (Polyvinylchlorid, Plast)

Vorbemerkung:

Max Balladu überarbeitet zurzeit das Buch ‚Die Ede Ceh Story‘, während er gleichzeitig weiter an dem neuen Roman mit dem Titel ‚Tote brachen keinen Himmel‘, arbeitet.

Zur Erinnerung an den ersten Roman aus dem Jahr 2012 werden in den nächsten Wochen Abschnitte in Form von Short Storys auf der Webseite in mehreren Fortsetzungen veröffentlicht.

Die Story:

Teil 1 Direktchlorierung

Die Direktchlorierung (DC) von Chlor (B) mit Ethylen (E) findet drucklos in einem Kreislaufreaktor unter Zusatz des Katalysators Kata F bei circa 100 °C statt.

Das Chlorgas wird durch Elektrolyse von in Wasser gelöstem Kochsalz (NaCl), während Ethylen durch Aufspaltung von Erdöl gebildet wird.

Die chemische Gleichung für die DC lautet:

Cl2(B)   +   C2H4 (E) —->   C2H4Cl2 (C),

Die freiwerdende Wärme wird zur Verdampfung des Zwischenproduktes EDC (C) genutzt, das in Leichtsieder (LS)- und Hochsieder(HS)-Kolonne von Nebenprodukten befreit und im sogenannten Feedtank zwischengelagert wird. Während der Rohstoff Chlor (B) in der Nachbaranlage hergestellt wird, kommt das Ethylen (E) von außerhalb, manchmal auch aus dem Untergrundspeicher, der als Zwischenlager und Puffer dient.

„Frei, endlich frei!“, schrie Ethy Len, das farblose, aber vollbusige Weib mit der Doppelbindung und stürzte sich aus der dunklen Erdhöhle in die Rohrleitung, wohin auch immer sie diese führen würde. Es ging in rasender Geschwindigkeit vorwärts und Ethy jubilierte, denn das war schöner als Karussell fahren. Nach knapp dreißig Minuten traf Len in der C-V-Anlage ein, wurde an der Druck- und Mengenregelung kräftig durchgeschüttelt und sah sich plötzlich dem von ihr geliebten, von anderen gefürchteten Zwei Ce-el gegenüber.

Zwei Ce-el kam direkt von der B-Fabrik, wo er sich wegen des hohen Stromflusses in einer Membranzelle von Na getrennt hatte. Ce-el sah gerade noch, wie Na sich zusammen mit Hazwei Oxygen (H2O, Wasser (W)) als Lauge davonmachte, da wurde er auch schon weitergetrieben, landete in der B-Trocknung und gelangte anschließend unter Druck über eine Leitung in die C-V-Anlage. Dort lärmte der mörderische, ständig zur Aggression neigende Mann mit dem stechenden Geruch übermütig: „Ich will töten, morden, lynchen, vernichten, ersticken, vergiften, reagieren!“ Doch dann verstummte er überrascht, als er auf die auch ihm gewachsene, ein wenig zickige, aber hoch erotische Ethy Len traf. „Mensch, wie kommst du denn hierher Ethy? Das müssen wir doch gleich feiern!“

Die Len zierte sich. „Du weißt genau, Zwei Ce-el, dass ich mich nur mit dir einlasse, wenn Kata F dabei ist.“

„Aber da kommt er ja, der Kata Lysator!“, schrie Ce-el.

Jetzt juchzte auch die Len, „au fein, nun sind wir ja zu drein – dann können wir uns auch verein.“

Ce-el schüttelte den Kopf, „dass die leichteren Fraktionen immer gleich dichten müssen, wenn gezeugt wird, verstehe ich nicht.“

Aber das hinderte ihn nicht daran sich mit Ethy, die natürlich wahnsinnig stöhnte, innig zu umarmen, während Kata sich zwar zwischen sie drängelte, aber dann doch wieder verschwinden musste, als Zwei Ce-el und Ethy Len sich zu Ede Ceh vereinigt hatten. Der starke, verwegene Bursche Ede mit wuscheligen roten Haaren war kaum auf der Welt, da wurde er auch schon mit voller Wucht gegen die Füllkörperschüttung im Reaktor geschleudert. Kaum hatte er sich davon erholt zerrte ihn irgendetwas in eine große Rohrleitung. Dort fuhr er mit dem Laufrad der Kreislaufpumpen Karussell, sah unmittelbar danach bei hoher Geschwindigkeit, wie seine Artgenossen gezeugt wurden und landete wieder an der Füllkörperschicht. Doch das machte ihm nichts mehr aus. Allerdings hatte er nach hundert Mal der gleichen Prozedur die Schnauze voll und drängelte sich etwas weiter nach oben, weil er gesehen hatte, dass von da seine Artgenossen irgendwohin verschwanden. Und richtig, plötzlich wurde er erfasst und im nächsten Moment hatte er das Gefühl, auseinandergerissen zu werden.

„Wow, jetzt kann ich ja sogar fliegen“, rief Ede freudig überrascht aus, flog als Gas weiter und kam trotz des vielen Verkehrs gut durch die Destillationskolonne, aber dann traf ihn die Kälte der Wärmetauscher so stark, dass er zusammenzog und schnell wieder seine ursprüngliche Form annahm. Nach erneuter Hektik in einer Pumpe landete Ede im Feedtank.

„A-a-a, endlich ausruhen, wer weiß schon, was heute noch alles passiert“, murmelte Ede leise vor sich hin und schwamm ruhig, ab und zu nach links und rechts sehend, im Tank umher. Nun hatte er auch Zeit, sich alles etwas genauer zu betrachten. Dabei bemerkte er Artgenossen, die zwar genauso aussahen wie er, aber doch irgendwie anders waren.

‚Wie kam denn das?’, fragte er sich und sagte laut, „he, du, Ede Blue, wo kommst du denn her?“

Der lachte, „das wollte ich dich auch gerade fragen, Ede Green.“

„Direktchlorierung. Und du?“

„Noch nie was von Oxichlorierung gehört?“

„Nee, erzähl doch mal.“

„Na gut, mal sehen, ob ich das alles noch zusammenbringe. Auf alle Fälle trafen sich am Anfang drei: die vollbusige sexy Ethy Len, dazu der aggressive Lustmolch Ha Ce-el und der Luftikus Zwei Oxygen. Natürlich ging es auch bei den Dreien nicht ohne Kata Lysator, der sich hier aber Kata K nannte.“